Orthopädie - Begriffserklärungen
Mini Lexikon von A bis Z

Achillessehne

Synonyme: Tendo calcaneus, Tendo Achillis
Diese Sehne ist die gemeinsame Endsehne des dreiköpfigen Wadenmuskels (M. Triceps surae) und setzt am Fersenbein (Calcaneus) an. Die Achillessehne ist die stärkste Sehne im menschlichen Körper. Die durchschnittliche Länge beträgt etwa 20 bis 25 cm bei einem Querschnitt von ca. 80mm². Die Kraftübertragung des M. Triceps surae, der aus dem M. Gastrocnemius und dem M. Soleus besteht, bewirkt vor allem eine Plantarflexion (Beugung in Richtung Fußsohle) des Fußes.

Eine gesunde Achillessehne toleriert Zugbelastungen bis ca. 60-100 N/mm², d.h. daß die Achillessehne eines durchschnittlichen Erwachsenen Zugbelastungen bis zu 800 kg toleriert, ohne Schaden zu nehmen.

Der Name der Achillessehne entstammt der griechischen Mythologie. Achilleus war Sohn eines menschlichen Vaters und einer göttlichen Mutter. Seine Mutter tauchte ihn in den Fluß Styx, was zur Unverwundbarkeit führte. Seine Ferse, die als einziger Teil seines Körpers, nicht vom Wasser benetzt wurde, blieb folglich seine einzige verletzbare Stelle.

Achillessehnenrißnach oben

Synonyme: Achillessehnenruptur

Ursachen/Häufigkeit: Ein Achillessehnenriß findet sich fast ausschließlich bei vorgeschädigten Sehnen. Kleinere Verletzungen und anhaltende oder wiederkehrende Entzündungszustände führen zur Abnahme der Festigkeit.
Die Achillessehnenruptur ist mit ca. 5000 Fällen pro Jahr die häufigste subcutane Sehnenruptur.

Krankheitsbild/Klinik:
meist erfolgt der Riss ca. 2 bis 6 cm oberhalb des Ansatzes.
Achillessehnenrisse sind oft akustisch beeindruckende Erlebnsisse, da die Sehne häufig mit einem peitschenknallähnlichem Geräusch reißt.
Die Plantarflexion (Beugung in Richtung Fußsohle) ist im Anschluß erheblich kraftreduziert (aber nicht komplett aufgehoben). Ein Zehenspitzenstand ist auf der betroffenen Seite nicht möglich.

Diagnostik:
Neben der Krankengeschichte (peitschenartiges Geräusch, plötzlicher stechender Schmerz gibt die körperliche Untersuchung weitere Hinweise auf diese Verletzung.
Eine schwache Plantarflexion ist im Regelfall erhalten, da andere Muskeln wie z.B. der Musculus plantaris oder der Musculus flexor digitorum longus weiterhin die Beugung in Richtung Fußsohle ermöglichen. Die Kraft ist allerdings erheblich reduziert und der Einbein-Zehenstand nicht möglich. Oft tastet man eine Delle. Weitere Hinweise gibt der sog. Thompson-Test. Hierbei drückt der Untersucher die Wade zusammen. Bei gesunder Sehne führt dies zu einer sichtbaren Plantarflexion des Fußes.
-apparative Diagnostik: Röntgen (zum Ausschluß eines knöchernen Ausrisses), Ultraschall (hier stellt sich der Riß im Regelfall deutlich dar), in Ausnahmefällen MRT (Kernspintomographie).

Therapie
Prinzipiell ist sowohl eine operative als auch eine konservative Therapie denkbar. Bei jungen sportlichen Patienten tendiert man in Mitteleuropa deutlich zur operativen Versorgung. Hierdurch lässt sich eine sichere Annäherung der Sehnenenden bei hoher Primärstabilität erreichen. Ältere Patienten werden, insbesondere wenn sich in der Ultraschalluntersuchung die Sehnenenden in 20° Plantarflexion bis auf 5 mm annähern, gerne konservativ behandelt. Dies gilt insbesondere dann, wenn lokale Hautprobleme (Krampfadern, Kortisonhaut) Wundheilungsstörungen befürchten lassen.
In den angloamerikanischen Ländern wird die konservative Therapie insgesamt häufiger als in Mitteleuropa ausgewählt.
Nach Entlastung und Tragen einer Gipsschiene (30° Spitzfuß) in den ersten 2 Wochen erfolgt eine Anpassung eines speziellen Achillessehnenentlastungsschuh. Hiermit kann der Fuß im Allgemeinen rasch belastet werden. Ab der 10. Woche wird der Achillessehnenentlastungsschuh durch eine Ferseneinlage (1cm) ersetzt, die für 6 Monate getragen wird.
Eine intensive Physiotherapie ist wichtig für ein gutes Behandlungsergebnis.
Bei uneingeschränkter Beweglichkeit und guten muskulären Verhältnissen ist eine sportliche Belastung ab dem 4. Monat möglich. Ein wettkampfmäßiges Training kann nach ca. 6 Monaten wieder aufgenommen werden.
Vorsicht: Wenn sportliche Belastungen vorzeitig und ungeplant aufgenommen werden, finden sich sehr hohe Reruptur-Raten (erneutes Reissen der Sehne) bis über 70%.

Achillodynienach oben

Definition
Achillodynie ist ein Überbegriff für Schmerzsyndrome im Bereich der Achillessehne.

Ursachen/Häufigkeit
Ursächlich finden sich Überbeanspruchungen (z.B. großer Trainingsumfang) ebenso wie ungewohnte Belastungen (Intervalltraining, Wechsel des Bodenbelages oder der Laufschuhe). Lokale Probleme wie z.B. Arthrose der Sprunggelenke, Rückfußfehlstellungen oder Fußdeformitäten begünstigen die Entstehung.

Krankheitsbild/Klinik
Schmerzen im Bereich der Achillessehne können verschiedene Anteile der Achillessehne betreffen und als Anlauf-, Belastungs- oder Nachbelastungsschmerz auftreten. Häufig zeigt sich lokal ein Druckschmerz, bei längerem Verlauf auch eine tastbare Verdickung der Achillessehne.

Diagnostik
Im Regelfall wird die Diagnose klinisch gestellt. Eine Ultraschalluntersuchung wird begleitend empfohlen. Röntgenaufnahmen oder ein MRT sind nur in Ausnahmefällen erforderlich.

Therapie
Der akut aufgetretene Achillessehnenschmerz lässt sich durch Schonung und konservative Therapiemaßnahmen meist rasch zur Ausheilung bringen.
Chronifizierte Achillessehnenschmerzen sind echte Heraussforderungen in der sportärztlichen Praxis.

Konservative Therapie:

operative Therapie:
Exzision von Verkalkungen und deutlich degenerativ verändertem Gewebe

Anmerkung: lokale Infiltrationen mit Kortikoiden mindern die Resistenz (Widerstandskraft/Belastbarkeit) des Gewebes und sind daher ebenso wie die operative Therapie als Option im Sinne eines „letzten Ausweges“ einzustufen.

Akupunktur / Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)nach oben

Das Wort Akupunktur setzt sich aus den lateinischen Wörtern „acus“ (=Nadel) und „punctio“ (=das Stechen) zusammen. Ursprungsland der Akupunktur ist China. Das chinesische Wort auf Hochchinesisch ist Zhen Jiu, was soviel heißt wie „Stechen und Brennen“. Der Begriff steht somit für das Einstechen der Nadeln in die über 400 Akupunkturpunkte und das Erwärmen der Punkte (Moxibustion).

Die Akupunktur ist damit ein Teilgebiet der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin). Andere Therapieverfahren in der TCM sind Kräutertherapie, Qi Gong, Tai Qi, Diätetik oder Tuina Massage.

Als älteste Sammlung chinesischer medizinischer Schriften, gilt der Huangdi Neiying (Innerer Klassiker des Gelben Kaisers). Dieser wird von Historikern auf ca. 200 vor Christus datiert. Hier sind bereits 160 Akupunkturpunkte beschrieben.

Die in unserer Praxis durchgeführte Akupunktur erfolgt auf der Grundlage einer Diagnose, die nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin gestellt wird. Dies schließt neben einer gründlichen Befragung auch die Durchführung einer Zungen- und Pulsdiagnostik mit ein.

Das Spektrum behandelbarer Erkrankungen ist groß und reicht vom Heuschnupfen bis zu Rückenschmerzen, von der Migräne bis zu Regelbeschwerden. Neben der Traditionellen Chinesischen Akupunktur kommen in unserer Akupunkturpraxis die Ohrakupunktur nach Nogier aus Frankreich und die Schädelakupunktur nach Yamamoto aus Japan zum Einsatz.

Die Akupunktur bringt vielen Patienten bereits nach der ersten Behandlung Linderung. In der Regel werden insgesamt 10 bis 15 Sitzungen von je 30 Minuten durchgeführt wobei je nach Krankheitsbild zwischen 1 und 3 Sitzungen pro Woche stattfinden können.

Akupunktur ist nicht schmerzhaft, bei Nadelung einiger Punkte tritt jedoch ein dumpfes Ziehen auf, das gewünscht ist und die Wirksamkeit der Akupunktur gerade in der Behandlung von Schmerzzuständen steigert.

Arthrosenach oben

Synonyme: Arthrosis deformans, engl. Osteoarthritis, Gelenkverschleiß, Osteoarthrose

Definition:
Gelenkverschleiß, der das altersübliche Maß übersteigt
Im Krankheitsverlauf kommt zunächst zu einer Degeneration des Knorpelgewebes, nachfolgend auch zu knöchernen Deformitäten der Gelenkkörper.
Fallen vermehrt Abriebprodukte im Gelenk an, so können diese Entzündungen der Gelenkkapsel mit Ergußbildung und Schmerzzunahme auslösen. Diese Phasen bezeichnet man als „aktivierte Arthrose“.

Ursachen/Häufigkeit
Wenn etwas frühzeitig verschleißt, dann kann dies zum einen daran liegen, dass es übermäßig belastet wird, zum anderen, dass die Widerstandskraft (oder Belastbarkeit) zu gering ist. Dies ist bei Gelenken nicht anders. Die Arthrose entwickelt sich also aus einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastungsfähigkeit des Gelenkes.

Arthrosen werden nach der Ätiologie (Lehre von den Ursachen) in primäre und sekundäre Arthrosen unterteilt.

Bei den primären Ursachen findet sich eine verminderte Belastbarkeit des Knorpelgewebes, wobei die Ursache nicht im Einzelnen bekannt ist.
Sekundäre Arthrosen hingegen können auf eine Ursache zurückgeführt werden. Diese Arhroseformen treten früher auf als primäre Arthrosen. Mögliche Ursachen für sekundäre Arthrosen sind z.B. angeborene oder erworbene Fehlstellungen und Deformierungen der Gelenke oder vorrausgegangene Gelenkinfekte. Die Ursachen sind sehr vielfältig und reichen z.B. beim Hüftgelenk von der Hüftdysplasie über das Abrutschen des Hüftkopfes bis zu rheumatischen Erkrankungen.
Ist die Arthroseentstehung ursächlich mit einer vorrausgegangenen Verletzung verbunden, so spricht man von posttraumatischer Arthrose.

Degenerative Gelenkerkrankungen haben eine große sozialmedizinische Bedeutung. Statistiken zur Arthrosehäufigkeit sind dabei mit Vorsicht zu genießen. Schließlich ist der Verschleiß der Gelenke eine Alterserscheinung, die jeden Menschen betrifft, wenn er denn alt genug wird. Um das 40. Lebensjahr zeigen sich bei jedem 2. Menschen Verschleißerscheinungen im Röntgenbild. Bei Eintritt in das Rentenalter (65. LJ.) finden sich diese röntgenmorphologischen Veränderungen bei fast jedem Menschen. Schmerzen finden sich hier jedoch nur bei einem Viertel der Untersuchten.
Diese Beobachtung ist Ausdruck der Tatsache, dass das Ausmaß der Veränderungen im Röntgenbild nicht zu den empfundenen Schmerzen passen muß. Bei der Auswahl der geeigneten Therapie muß dies zwingend beachtet werden.

Krankheitsbild/Klinik
Der Verlauf der Erkrankung ist langsam fortschreitend. „Gute“ und „schlechte“ Phasen wechseln sich dabei ab.
Die Hauptsymptome sind neben den Schmerzen, Schwellungen, Muskelverspannungen und Bewegungseinschränkungen. Anfangs zeigt sich ein Anlauf- (Schmerzen bei Aufnahme/Wiederaufnahme einer Tätigkeit) und oder Belastungsschmerz.
Im weiteren Verlauf können zudem Deformitäten auftreten (z.B. ausgeprägtes O- oder X-Bein bei Kniegelenksarthrose)
Einige Autoren teilen den Verlauf in 4 Stadien ein:
Stadium 1:
Rauhigkeiten und Ausdünnung der Knorpelschicht, tangentiale Fissuren
Stadium 2:
Auftreten von Ulcerationen, Proliferation von Bindegewege und Chondrozyten
Stadium 3:
Hyaliner Knorpel wird durch Granulationsgewebe und minderwertigen Faserknorpel ersetzt, Geröllzystenbildung
Stadium 4:
zunehmende Deformierung des Gelenkes und Osteophytenbildung

Am Anfang steht die Knorpelschädiung, die im weiteren Verlauf zu Veränderungen am Knochen führt.

Diagnostik
Grundlage der Diagnostik ist die Anamnese (Krankengeschichte). Anschließend erfolgt die sorgfältige Untersuchung. Neben der Inspektion (Betrachtung) und Palpation (Tasten) erfolgen spezifische Tests der Gelenkfunktion, Bandstabilität und der umgebenden Muskultatur. Zu einer sorgfältigen Untersuchung gehört insbesondere die Mituntersuchung der angrenzenden Gelenke sowie die Berücksichtigung der Gegenseite und übergreifender Zusammenhänge (z.B. Beinlänge, Fehlformen, Asymetrien).
Sind die unteren Extremitäten oder das Becken betroffen gehört das Betrachten des Gangbildes zur Untersuchung dazu.
Je nach Erfordernis schließt sich dann eine bildgebende Diagnostik an:
Röntgen, Ultraschall, MRT, CT (Auswahl nach Fragestellung)
Bei fortschreitender Arthrose sieht man im Röntgenbild die „klassischen radiologischen Zeichen der Arthrose“: Gelenkspaltverschmälerung (Annäherung der knöchernen Gelenkkörper durch Abnahme des Gelenkknorpels), subchondrale Sklerosierung (Verdichtung/Verdickung des unter dem Knorpels gelegenen Knochens), Osteophyten (knöcherne Randanbauten), Geröllzysten (Hohlraumbildung nach Knochenschädigung), Deformitäten
Laboruntersuchungen werden erforderlich bei Verdacht auf rheumatologische Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. erhöhte Harnsäurewerte bei Gicht).

Therapie

konservativ:

* nichtsteroidale und steroidale antiphlogistische (entzündungshemmende) und analgetische (schmerzhemmende) medikamentöse Therapie

(Häufig genutzte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken symptomatisch und sind aufgrund ihrer Nebenwirkungen (u.a. Magenschleimhautentzündung, Nierenfunktionsstörungen) nicht für die Langzeitanwendung geeignet. Sog. COX2-Hemmer (Cyclooxygenase2-Hemmer, derzeit in Deutschland zugelassen sind: Etoricoxib und Celecoxib) sind wegen gehäufter Herzinfarkte und Schlaganfälle für Risikopatienten nicht geeignet.

weitere Therapieverfahren, die als nicht ausreichend belegt gelten müssen (deshalb aber dennoch wirksam sein können) sind:

operativ:

Autologe Chondrozyten-Implantation:
Dieses Verfahren wird zunehmend durchgeführt und scheint bei strenger Indikationsstellung auch in Bezug auf langfristige Ergebnisse vielversprechend.
Zunächst werden 200 bis 300 Miligramm Knorpelzellen arthroskopisch aus einem unbelasteten Bereich des Kniegelenkes entnommen. Die entnommenen Zellen werden eingeschickt und in einem Labor in vitro ca. 4 bis 6 Wochen kultiviert. Eine Implantation des angezüchteten Knorpels erfolgt entweder in Verbindung mit einer Membran (Biomembran oder Periost (Knochenhaut) des Schienbeines) oder mit Hilfe einer Gerüstmatrix. In der Behandlung symptomatischer Knorpeldefekte des Kniegelenkes scheint sich dieses Verfahren zu bewähren.

Knorpel-Knochentransplantation:
Bei diesem Verfahren werden mit einer Stanze Knorpel-Knochenzylinder aus wenig belasteten Randbereichen eines Gelenkes gewonnen, um Knorpeldefekte in der Hauptbelastungszone eines Gelenkes zu füllen. Zur Anwendung kommt dieses Verfahren v.a. am Kniegelenk.

Hemi-/Totalendoprothese, Kunstgelenk:
In Deutschland werden jährlich etwa 160.000 künstliche Hüftgelenke und ca. 80.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt. Auf den weiteren Plätzen folgen die Schulter- und Sprunggelenke vor Ellenbogen- und Fingergelenken. Die durchschnittliche Haltbarkeit (sog. Standzeit) liegt für die Hüftgelenksendoprothese bei ca. 15 Jahren. Die Palette an Zugängen und verwandten Systemen ist vielfältig. Im Gegensatz zur Hemiendoprothese wird bei der Totalendoprothese auch die Pfanne ausgetauscht.
Desweiteren unterscheidet man zwischen zementierter und unzementierter Endoprothese.
Da die Wechseloperationen im Regelfall belastender und komplikationsbehafteter sind, und Wechseloperationen nicht unbegrenzt häufig möglich sind, wird versucht, den Zeitpunkt der Erstimplnatation so weit wie möglich nach hinten zu schieben (wenn möglich bis ins 6. Lebensjahrzehnt)
(weiter)

Vorbeugung

Röntgenbilder - Diagnose