Orthopädie - Begriffserklärungen
Mini Lexikon von A bis Z

Osteopathie

Was ist Osteopathie?

Osteopathie ist eine ganzheitliche manuelle Behandlungsform, d.h. das therapeutische Mittel ist die Hand des Therapeuten. Bei Patienten, die mit Problemen im Bereich des Bewegungsapparates zu uns kommen handelt es sich in ca. 80% der Fälle um sog. „funktionelle“ Beschwerden. Ihre eigentliche Ursache ist also kein strukturelles Problem, wie z.B. Bandscheibenvorfall, Verletzung oder fortgeschrittener Gelenkverschleiß. Auch wenn diese strukturellen Probleme begleitend vorliegen, sind sie häufig nicht die eigentliche Ursache des Schmerzes. Funktionelle Beschwerden sind für die therapeutischen Grifftechniken der Osteopathie besonders zugänglich. Der Arzt sucht Funktionsstörungen auf und beseitigt sie. Die für die Osteopathie typische besonders sorgfältige körperliche Untersuchung deckt häufig Zusammenhänge zwischen verschiedenen Strukturen des Körpers auf. Häufige Behandlungsformen innerhalb der Osteopathie sind Muskelenergietechniken (MET), Strain-Counterstrain, HVLA-Techniken („high velocity, low amplitude“, also kleine schnelle Bewegungen), Faszien-Release-Techniken sowie viscerale und cranio-sakrale Techniken.

Seit wann gibt es Osteopathie?

Als Begründer der Osteopathie gilt Dr. Andrew Taylor Still, ein amerikanischer Arzt, der von 1828 bis 1917 lebte. Er praktizierte dabei als Militär- und Allgemeinarzt. Auf der Grundlage umfangreicher Erfahrungen und hervorragender anatomischer Kenntnisse entwickelte Dr. Still ein ganzheitliches Modell der Entstehung von Krankheiten, das sich vom einzelnen Organ löst. Statt dessen wird der Patient in seinem ganzheitlichen Funktionskreislauf gesehen. Still erkannte, dass Störungen und Bewegungseinschränkungen der Faszien und Gelenke auch Symptome an anderen Organen und Körperregionen auslösen können.?
Zu Stills Grundannahmen zählt, dass der Körper eine Funktionseinheit ist und die Fähigkeit zur Selbstregulation besitzt. Die Funktion bestimmt dabei die Körperstruktur und umgekehrt.

Er entwickelt eine Vielzahl von manuellen Techniken, mit deren Hilfe er überraschende Therapieerfolge erzielt. Mit der Ausbildung von Studenten beginnt er 1892 in Kirksville (Missouri).
Einer der ersten Wegbereiter der Osteopathie in Europa war der Schotte Dr. John Martin Littlejohn, der von 1865 bis 1954 lebte und ein direkter Schüler Stills war. Nach seiner Rückkehr nach Europa gründete er 1917 in London die „British School of Osteopathy“. Wie einige weitere Schüler Stills entwickelte er eigene Techniken und bereicherte damit das osteopathische Therapiespektrum.?
Das Gleiche gilt für William G. Sutherland (1873-1954), der als Begründer der kranialen Osteopathie gilt.
Die Geschichte der Osteopathie ist eine Geschichte der Weiterentwicklungen und Strömungen. Dies führt dazu, daß dem osteopathisch weitergebildeten Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeuten eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung stehen. ?
Weitere Ärzte, die das heute bekannte osteopathische Wissen erheblich erweiterten, sind z.B. Dr. Lawrence Jones, Dr. Jean Pierre Barrall oder Dr. Fred Mitchell.

Für wen ist Osteopathie geeignet?

Eine osteopathische Behandlung wird als ganzheitliche Therapieform natürlich nicht nur für Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt, sondern findet auch bei internistischen und neurologischen Erkrankungen Anwendung. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Es können Menschen jeden Alters behandelt werden. In unserer Praxis wenden wir osteopathische Techniken primär in der Behandlung des Bewegungsapparates ein. Der ganzheitliche Therapieansatz zeigt dabei jedoch häufig, dass die Reduzierung der Problematik eines Patienten auf ein einzelnes Organ oder Gelenk nicht sinnvoll ist. Die Anwendung osteopathischer Techniken ist einerseits besonders geeignet, bei funktionellen akuten Beschwerden des Bewegungsapparates, z.B. der Patient, der in die Praxis kommt und berichtet „sich verhoben“ zu haben, andererseits bei vielen chronischen Krankheiten des Bewegungsapparates, die häufig von wechselnden funktionellen Beschwerden begleitet werden.

Für wen ist Osteopathie nicht geeignet?

Wie für jede andere Therapieform, gibt es Erkrankungen, für die die Osteopathie aus unserer Sicht nicht geeignet sind. Das notwendige Wissen, um zu entscheiden, ob ein Einsatz osteopathischer Techniken sinnvoll ist, ist Bestandteil jeder osteopathischen Weiterbildung.?Vereinfacht kann gesagt werden, dass Akuterkrankungen, die mit einem Gewebeschaden einhergehen (wie z.B. akute Verletzungen, Herzinfarkt, Tumor) nicht primär osteopathisch behandelt werden sollten. Sie wird hier, wenn hilfreich, lediglich begleitend eingesetzt. In keinem Fall soll bei strukturellen, bedrohlichen Erkrankungen eine Verzögerung notwendiger schulmedizinischer Diagnostik erfolgen.

Wie sieht eine osteopathische Behandlung aus?

In unserer Praxis werden osteopathische Techniken primär bei Schmerzen und Funktionsstörungen im Bereich des Bewegungsapparates eingesetzt. Wir sind dabei keine „osteopathische Praxis“ in der die Osteopathie als alleiniges Mittel eingesetzt wird, sondern setzen sie gleichberechtigt neben anderen Therapien ein, die ebenfalls in der Therapie funktioneller Störungen sehr geeignet sind. An erster Stelle zu nennen ist hier die Akupunktur, der ebenfalls ein ganzheitliches Therapieverständnis zugrunde liegt. Auch eine Kombination mit Akupunktur, aktiver Trainingstherapie oder weiteren Therapieverfahren ist in einigen Fällen sinnvoll.
Vor jeder Behandlung wird der Patient ausführlich untersucht. Patienten, die mit der Osteopathie nicht vertraut sind wundern sich oft über die Gründlichkeit der Untersuchung.
Einige osteopathische Behandlungstechniken ähneln chirotherapeutischen Techniken, sind aber im Allgemeinen sanfter. Schmerzen treten bei osteopathischen Behandlungen im Regelfall nicht auf. Impulse durch osteopathische Griffe bewirken ein Ausgleich von Fehlregulationen, was Grundlage der Selbstheilung ist. Ein „Knacken“ kann bei einigen Grifftechniken auftreten ist aber sicher kein Kriterium für eine erfolgreiche Behandlung. Kriterium ist vielmehr, der tast- und sichtbare Ausgleich von Fehlregulationen, der im Allgemeinen rasch mit einem deutlichen Rückgang des Beschwerdebildes einhergeht. Die Osteopathie ist eine berührende Medizin. Eine Einbeziehung des Patienten in die Behandlung ist selbstverständlich.

Osteoporosenach oben

Der Knochen setzt sich aus organische und anorganischsen Substanzen zusammen. Bei der Osteoporose handelt es sich um eine generalisierte Erkrankung des Knochens, bei dem es zu einer Verminderung der Knochenmasse und zu einer Verschlechterung der Mikorarchitektur kommt, die zu einer erhöhten Knochenbruchneigung führen. Dabei ist das Verhältnis von organischen zu anorganischen Anteilen ungestört. Man unterscheidet grob zwischen einer primären Osteoporose, bei der die Ursache ungeklärt ist, von einer sekundären Osteoporose, bei der eine andere Erkrankung zur Osteoporose führt. Sehr häufig ist die Osteoporose, bei der Frau nach Ausbleiben der Regelblutung durch verminderte Blutspiegel weiblicher Geschlechtshormone. Die veränderte Mikroarchitektur zu beurteilen fällt bisweilen mit konventionellen Untersuchungsmedthoden schwer. Hingegen läßt sich die Knochendichte gut quantifizieren. Hierzu wird eine Osteodensometrie durchgeführt. Verschiedene Meßverfahren stehen zur Auswahl. Häufig verwendete Verfahren sind die qCT (quantitative Computertomographie) und die DEXA (Dual emission X-ray Absorption). Bei diesen Verfahren kommen Röntgenstrahlen zur Anwendung. Ob auf dem Prinzip der Ultraschalldiagnostik basierende Verfahren, die vornehmlich die Knochendichte der Ferse messen, ausreichend aussagekräftige Informationen liefern, ist zur Zeit Gegenstand kontroverser Diskussionen. Die Knochendichtemessungen werden durchgeführt, um das statistische Risiko einer Fraktur beurteilen zu können. Besonders Frakturen der Wirbelsäule und des Schenkelhalses haben nicht nur hinsichtlich der Lebensqualität, sondern auch hinsichtlich der Lebenserwartung eine herausragende Relevanz. Deshalb sind Untersuchungen dieser Regionen besonders wichtig. Die Therapie sollte sich an den Leitlinien der Fachgesellschaften orientieren.

Osteoporotische Wirbelbrüchenach oben

Ein osteoporotischer Wirbelkörperbruch kann schon ohne eine adäquate Verletzung auftreten. Die Spannweite der Beschwerden kann sehr breit sein, Zufallsbefund bei voller Abwesenheit von Schmerzen bis hin zu schweren therapieresistenten Schmerzen und neurologischen Ausfällen. Eine schwerwiegende Folge einer Wirbelkörperfraktur kann ein zunehmender Höhenverlust des Wirbelkörpers Größenminderung des/der Patientin und der Ausbildung eines Rundrückens mit entsprechenden Beschwerden durch chronische Fehlbelastung sein. Zur Therapie werden einerseits schmerzlindernde Medikamente, andererseits Maßnahmen eingesetzt, die dieses Einsintern des betroffenen Wirbelkörpers zu verhindern. Als konservative Therapie sind die Bettruhe und die Versorgung mit einem Stützkorsett etabliert. Die Bettruhe trägt den Nachteil der Komplikationen durch Immobilisation, nämlich Lungenentzündung, Venenthrombose und Lungenembolie in sich. Ein Stützmieder kann oftmals ein Einsinken des Wirbelkörpers nicht gänzlich verhindern. Als operative Maßnahmen stehen minimal-invasive Techniken wie die Vertebroplastie und Kyphoplastie und größere operative Eingriffe wie Versteifungsoperationen mit Schrauben und Stangen zur Verfügung.

Röntgenbilder - Diagnose