Orthopädie - Begriffserklärungen
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Risiken

s. Komplikationen / Risiken

Rückenschmerzennach oben

Rückenschmerzen haben vielfältige Ursachen und werden daher auch auf unterschiedlichste Weise behandelt. Oft begleiten sie Patienten über einen längeren Zeitraum oder treten immer wieder auf.
"Tipps bei Rückenschmerzen" können sehr effektiv sein, sollten jedoch an den individuellen Fall angepasst sein. Ein "Tipp" kann daher nur so gut sein, wie er zur individuellen Ursache passt. Unspezifische Therapien wie die Anwendung von Wärme z.B. mit Körnerkernkissen oder Wickeln bei Verspannungen der Rückenmuskulatur haben ihren Wert. Wir haben sie daher auch noch einmal gesondert zusammengestellt. Diese "Tipps" weisen eine breite Spannbreite auf, da auch die Ursachen von Rückenschmerzen sehr unterschiedlich sein können. Ein rein biomedizinischer Ansatz reicht in der Ursachenforschung des Rückenschmerzes nicht aus. Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln hat nach Studienauswertung plakativ "Top-Ten-Risiken" für den Rücken zusammengestellt.

  1. Bewegungsmangel
  2. Arbeitsunzufriedenheit und Überforderung
  3. Alter
  4. Gene und Erkrankungen (in einigen Studien große Bedeutung (bis 70%)
  5. Schwangerschaft
  6. Gleichförmige, einseitige Tätigkeiten
  7. Frühere Rückenprobleme
  8. Schonung
  9. Eine Diagnose
  10. Vibrationen (v.a. 4-6 Hertz)

Beschäftigt man sich intensiver mit der Studienlage zur Ätiologie von Rückenschmerzen finden sich abweichende Ergebnisse. Ein Grund dafür ist, dass unterschiedliche Kriterien zugrunde gelegt wurden, was eigentlich "Rückenschmerz" ist. Interessant ist vorrangig nicht die Prävention des unspezifischen Rückenschmerzes, der wie ein Schnupfen scheinbar fast jeden Menschen im Laufe seines Lebens einmal befällt, sondern der chronische Rückenschmerz. Wenn also Patienten, die z.B. nach ungewohnten Belastungen, wie einem Umzug oder besonderen sportlichen Belastungen über Schmerzen klagen, in die Gruppe der Rückenschmerzpatienten einbezogen werden, führt dies verständlicherweise zu einer deutlichen Beeinflussung der Studienergebnisse.
Studienübergreifende Gemeinsamkeiten sind aber, dass es kognitive und psychosoziale Faktoren verdienen, in Diagnose- und Therapiekonzepte integriert zu werden. Es ist aber nicht nur so, dass die Psyche die Schmerzen beeinflusst. Auch der umgekehrte Weg ist möglich. Rückenschmerzen, die längere Zeit anhalten, z.B. als Folge eines Verschleisses der kleinen Wirbelgelenke, sind mit einer erheblichen psychischen Belastung verbunden. Gefördert wird dies dadurch, dass lange Schmerzperioden oft mit weitreichenden sozialen Konsequenzen für die Betroffenen verbunden sind.

Sogenannte "multimodale Konzepte" gelten als zukunftsweisend. Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Experten werden Rückenschmerzen ganzheitlicher therapiert.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die ausgeprägte Wirksamkeit von körperlichem Training. Auch in der Primärprävention von Rückenschmerzen (Maßnahmen, damit ein Rückenschmerz gar nicht erst auftritt) zeigt körperliche Aktivität ausgeprägte Effekte (Evidenz der Kategorie A des Oxford Center for Evidence Based Medicine).

Ausgangspunkt jeder Therapie sollte eine gründliche diagnostische Abklärung sein. Denn: Die allermeisten Rückenschmerzen haben eine harmlose Ursache. Aber: Insbesondere therapieresistente Rückenschmerzen können auch ernstere Ursachen haben. Die Bandbreite reicht hier von einer Enge des Spinalkanals, Wirbelgleiten über Aufweitungen der Bauchschlagader und Verengungen der Herzkranzgefäße bis zu rheumatologischen Erkrankungen. Auch hier ist es von großem Vorteil, wenn Experten mit unterschiedlichen Kompetenzen bereits im Rahmen der Diagnostik Hand in Hand arbeiten. Neben einem Austausch zwischen den Ärzten ist auch ein Austausch mit Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern oder Trainern interessant, da sie häufig viel Zeit mit den Patienten verbringen, und oft wertvolle Informationen beisteuern können.

In der Therapie und Prävention zeigt sich ein deutlicher Trend weg von der "klassischen Rückenschule" hin zu modernen "multimodalen Rückenkursen". Was ist anders? Stichwort "Überlastung: Der "Verschleiß" als Folge von Sport oder Überlastung wurde in der Vergangenheit überschätzt. Nur ein ständig natürlich bewegter Rücken bleibt beschwerdefrei. Stichwort "korrekte Haltung/korrekte Bewegung": Es gibt nicht wirklich "falsche Bewegungen" und unkorrekte Haltungen. Alle Bewegungsrichtungen sollten genutzt werden. Statt starrer achsenbezogener Bewegungsschule erfolgt eine Orientierung an Alltagsbewegungen. Die Wirbelsäule braucht Drehbewegungen, um stabil zu bleiben. An die Stelle von Schonung tritt Wahrnehmungstraining, um Überlastungen zu vermeiden.
Stichwort: "Psyche": Auch psychosoziale Faktoren werden berücksichtigt. Entspannungsübungen runden das Programm ab. 
Allgemein gilt: Maßnahmen körperlichen Trainings scheinen effektiver zu sein als klassische Rückenschulen (vgl. Linton und van Tulder 2001). Auch die Europäischen Leitlinien empfehlen körperliche Aktivität (vgl. www.backpaineurope.org). Eine Schonung oder gar Ruhigstellung ist nur in sehr wenigen Fällen sinnvoll. Eine frühzeitige Mobilisierung und Rückkehr an den Arbeitsplatz senken statistisch nachweislich das Risiko der Chronifizierung von Rückenschmerzen. Schon eine einwöchige Ruhigstellung reduziert die Kraft der Muskulatur um mehr als 25%.

Manchmal geraten Patienten hierbei in einen "Teufelskreis der Schonung". Die Schonung führt hierbei zu einem Verlust an Muskelmasse, wodurch wiederum ein Stabilitätsverlust eingeleitet wird. Dies führt zu lokalen Problemen wie Reizzuständen oder Blockierungen wodurch vermehrt Schmerzen hervorgerufen werden. Reagiert der Patient auf die zunehmenden Schmerzen erneut mit Schonung, dann geht der "Teufelskreis der Schonung" in die zweite Runde.

Wie sollte ein optimales Rückentraining aussehen?
Ein optimales Training zeichnet sich durch einige Erfolgsfaktoren aus: Es enthält neben einem hohen Aktivitätsanteil hohe Eigenwahrnehmungs- und Selbststeuerungsanteile. Begleitend werden positive rückenschmerzbezogene Einstellungen vermittelt. Individuelle Risikofaktoren werden berücksichtigt. Der Zeitraum umfaßt mindestens 12 Wochen. Physische und psychosoziale Gesundheitsressourcen werden gestärkt. Nach Abschluss des Trainings erhalten Teilnehmer einen Trainingsplan. Teilnehmer vereinbaren am Ende der Trainingsreihe einen Termin zur Wiedervorstellung. Im Rahmen dieser Wiedervorstellung wird gemeinsam analysiert, ob die erlernten Eigenübungen erfolgreich absolviert wurden und zur Gewohnheit geworden sind. Erfolgt das Training bei bestehenden Rückenschmerzen, so erfolgt vorab eine gründliche diagnostische Abklärung. Schmerzen werden so behandelt, daß eine problemlose Teilnahme möglich ist. Eine schmerzende Rückenmuskulatur lässt sich nur schwer effektiv kräftigen. Die Rückenmuskulatur besteht aus drei Schichten. Ein wirksames Rückentraining berücksichtigt insbesondere auch die tiefe Schicht, die aus kurzen, aber kräftigen Muskeln besteht. Diese verlaufen, gerade, schräg oder auch diagonal von Wirbelkörper zu Wirbelkörper. "Normale" Fitnessübungen sind hier oft ungeeignet. Eine Aktivierung erfolgt mittels kleiner Drehbewegungen des Rumpfes.

Quintessenz und allg. "kleine Tipps bei Rückenschmerzen:

bildMöchten Sie sich weiter in das Thema einlesen möchten, können wir folgende Bücher empfehlen, da sie verständlich geschrieben sind und die relevante aktuelle Literatur berücksichtigen: 
* Froboese, Ingo: Das neue Rückentraining. Gräfe und Unzer Verlag 2006. 126 Seiten, 12,90 €.
* Krämer, Jürgen et al.: Wirbelsäule und Sport. Deutscher Ärzte Verlag 2005. 215 Seiten, 39,95 €.
* Pfeifer, Klaus: Rückengesundheit. Deutscher Ärzte Verlag 2007. 115 Seiten, 29,95 €.
Eine für Experten interessante Website findet sich unter der Adresse: www.backpaineurope.org. Hier finden sich auch ausführliche Guidelines als Download.

Rückenschulenach oben

Die präventive Rückenschule

Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein Bewegungs- und Krafttraining Rückenschmerzen effektiv lindern können. Sowohl akute als auch chronische Rückenschmerzen können dauerhaft gebessert werden.

Inhalt

In diesem Kurs sollen Sie wertvolle Informationen rund um ihren Rücken erhalten und mit Hilfe von Wahrnehmungsschulung und Entspannung ihren Rücken besser kennen lernen.
Im Mittelpunkt steht ein Ganzkörpertraining. Denn kräftige Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule und machen den Körper fit. Dieses Training ist eine Mischung aus Krafttraining, Koordination und Dehnung. Hierzu werden verschiedene Kleingeräte (z.B. Hanteln, Theraband, Pezziball …) genutzt. Außerdem lernen Sie wie Sie ihre Muskulatur in Alltagssituationen optimal einsetzen können (Sitzen, Heben, Tragen).

Dauer

Der Kurs besteht in der Regel aus zehn Übungseinheiten mit einer Dauer von jeweils 90 Minuten. Sie erhalten ein Eigenübungsprogramm, um den Rücken dauerhaft fit zu halten.

Die Rückenschule gehört zu den Präventionskursen. Das heißt das jeder Kassenpatient einmal im Jahr eine Rückenschule besuchen kann und dieser Kurs mit 80% von der jeweiligen Kasse bezuschusst wird.

Rückentrainingnach oben

In der Therapie und Prävention zeigt sich ein deutlicher Trend weg von der "klassischen Rückenschule" hin zu modernen "multimodalen Rückenkursen". Was ist anders? Stichwort "Überlastung: Der "Verschleiß" als Folge von Sport oder Überlastung wurde in der Vergangenheit überschätzt. Nur ein ständig natürlich bewegter Rücken bleibt beschwerdefrei. Stichwort "korrekte Haltung/korrekte Bewegung": Es gibt nicht wirklich "falsche Bewegungen" und unkorrekte Haltungen. Alle Bewegungsrichtungen sollten genutzt werden. Statt starrer achsenbezogener Bewegungsschule erfolgt eine Orientierung an Alltagsbewegungen. Die Wirbelsäule braucht Drehbewegungen, um stabil zu bleiben. An die Stelle von Schonung tritt Wahrnehmungstraining, um Überlastungen zu vermeiden.

Stichwort: "Psyche": Auch psychosoziale Faktoren werden berücksichtigt. Entspannungsübungen runden das Programm ab.
Allgemein gilt: Maßnahmen körperlichen Trainings scheinen effektiver zu sein als klassische Rückenschulen (vgl. Linton und van Tulder 2001). Auch die Europäischen Leitlinien empfehlen körperliche Aktivität (vgl. www.backpaineurope.org). Eine Schonung oder gar Ruhigstellung ist nur in sehr wenigen Fällen sinnvoll. Eine frühzeitige Mobilisierung und Rückkehr an den Arbeitsplatz senken statistisch nachweislich das Risiko der Chronifizierung von Rückenschmerzen. Schon eine einwöchige Ruhigstellung reduziert die Kraft der Muskulatur um mehr als 25%.

Manchmal geraten Patienten hierbei in einen "Teufelskreis der Schonung". Die Schonung führt hierbei zu einem Verlust an Muskelmasse, wodurch wiederum ein Stabilitätsverlust eingeleitet wird. Dies führt zu lokalen Problemen wie Reizzuständen oder Blockierungen wodurch vermehrt Schmerzen hervorgerufen werden. Reagiert der Patient auf die zunehmenden Schmerzen erneut mit Schonung, dann geht der "Teufelskreis der Schonung" in die zweite Runde.

Wie sollte ein optimales Rückentraining aussehen?

Ein optimales Training zeichnet sich durch einige Erfolgsfaktoren aus: Es enthält neben einem hohen Aktivitätsanteil hohe Eigenwahrnehmungs- und Selbststeuerungsanteile. Begleitend werden positive rückenschmerzbezogene Einstellungen vermittelt. Individuelle Risikofaktoren werden berücksichtigt. Der Zeitraum umfasst mindestens 12 Wochen. Physische und psychosoziale Gesundheitsressourcen werden gestärkt. Nach Abschluss des Trainings erhalten Teilnehmer einen Trainingsplan. Teilnehmer vereinbaren am Ende der Trainingsreihe einen Termin zur Wiedervorstellung. Im Rahmen dieser Wiedervorstellung wird gemeinsam analysiert, ob die erlernten Eigenübungen erfolgreich absolviert wurden und zur Gewohnheit geworden sind. Erfolgt das Training bei bestehenden Rückenschmerzen, so erfolgt vorab eine gründliche diagnostische Abklärung. Schmerzen werden so behandelt, dass eine problemlose Teilnahme möglich ist. Eine schmerzende Rückenmuskulatur lässt sich nur schwer effektiv kräftigen. Die Rückenmuskulatur besteht aus drei Schichten. Ein wirksames Rückentraining berücksichtigt insbesondere auch die tiefe Schicht, die aus kurzen, aber kräftigen Muskeln besteht. Diese verlaufen, gerade, schräg oder auch diagonal von Wirbelkörper zu Wirbelkörper. "Normale" Fitnessübungen sind hier oft ungeeignet. Eine Aktivierung erfolgt mittels kleiner Drehbewegungen des Rumpfes.

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