Orthopädie - Begriffserklärungen
Mini Lexikon von A bis Z

Betreuung

Betreuung nach der endoprothetischen Versorgung

Direkt postoperativ wird der Patient intensivmedizinisch betreut. Bei regelrechtem Verlauf ist eine Verlegung auf eine Normalstation sehr schnell möglich (im Regelfall spätestens nach 24 Stunden). In den ersten Tagen nach der Operation ist eine individuelle und engmaschige Anpassung der Schmerzmedikamente wichtig, um auftretenden Wundschmerzen zu begegnen. Bewegungsübungen setzen sehr früh ein und sind insbesondere für das Kniegelenk (hier frühzeitiger Einsatz der Bewegungsschiene) sehr wichtig. Der Operateur hat direkt postoperativ das sog. Nachbehandlungsschemata festgelegt, aus dem wichtige Eckdaten wie postoperative Gestaltung des Belastungsaufbaus oder Steigerung der Beweglichkeit hervorgehen. Nachbehandlungsschemata haben sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Dies gilt vor allem für die zementfrei eingesetzten Endoprothesen und bestimmte minimal-invasive Zugänge. Noch vor ca. 10 Jahren wurden zementfreie Kunstgelenke nur sehr vorsichtig belastet. In einem Großteil der Fälle erfolgte eine Entlastung oder nur sehr geringe Belastung des operierten Beines über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen. Die Verwendung zementierter Kunstgelenke war damals insofern mit dem grossen Vorteil der rascheren Lastaufnahme verbunden. Heute werden in vielen Kliniken auch viele zementfreie Implantate, erheblich früher oder sogar direkt postoperativ vollbelastet. Vorraussetzung hierfür ist natürlich eine hohe Primärstabilität bei ausreichend guter Knochenqualität.
Die Gestaltung der Nachbehandlung hängt auch davon ab, ob der Patient an einem präoperativen Endotraining (physiotherapeutisches Vorbereitungsprogramm auf die Implantation des Kunstgelenkes) teilgenommen hat.
Viele Dinge, die sonst erst zu diesem Zeitpunkt erlernt werden (Aufstehen, Hinsetzen, Gehen an Unterarmgehstützen, Treppesteigen) können in einem Endotraining mit geringeren Risiken vorher gelernt werden.
Die stationäre Behandlungszeit in der Klinik, in der die Operation durchgeführt wird, hat in den vergangenen Jahren erheblich abgenommen. Betrug Sie in vielen Kliniken vor 10 Jahren noch 3 Wochen, so verbleiben die Patienten in vielen Kliniken nur noch etwa 1 Woche. In einigen Kliniken werden die Patienten sogar bereits noch früher entlassen. Während des Klinikaufenthaltes wird die Anschlussheilbehandlung geplant. Hier sind in den Kliniken im Regelfall Sozialarbeiter beratend tätig, was für die meisten Patienten eine unverzichtbare Hilfe ist.
Die Verlegung in die Rehabilitationsklinik kann als Direktverlegung erfolgen, ggf. gehen die Patienten vor ihrem Rehaaufenthalt auch für einige Tage nach Hause oder in die Kurzzeitpflege.
Einige Patienten möchten keinen Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik durchführen und entscheiden sich für eine wohnortnahe ambulante Rehabilitation. Welche Art de Rehabilitation geeigneter ist, hängt dabei weniger von den verwendeten Implantaten als von den individuellen Vorraussetzungen der Patientinnen und Patienten ab.

Bewegungsapparatnach oben

Zum Bewegungsapparat gehören z. B. Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien.

Blockierungnach oben

Synonyme:
Gelenkblockierung, reversible segmentale Dysfunktion

Definition
In der manuellen Medizin bezeichnet der Begriff Blockierung die vorübergehende Einschränkung der Beweglichkeit eines Gelenkes ohne dass erkennbare organische Veränderungen vorliegen.
Bewegungseinschränkungen aufgrund von Verletzungen oder Erkrankungen eines Gelenkes fallen daher nicht unter den Begriff „Blockierung“.

Ursachen/Häufigkeit
Blockierungen finden sich sehr häufig. Nicht alle Blockierungen führen zu Schmerzen, so dass verlässliche Zahlen zur Häufigkeit nicht vorliegen.
Blockierungen können spontan und ohne erkennbare Ursache entstehen und sich ebenso spontan bei Alltagsbewegungen wieder lösen. Manchmal ist das Lösen von Blockierungen mit einem knackenden Geräusch verbunden.
Als Ursache von Blockierungen wird ein pathologisches Reflexgeschehen diskutiert.
Schmerzreize werden über A-Delta und C-Fasern in das Rückenmark geleitet. Zum einen Teil werden Sie hier über den Tractus spinothalamicus an das Gehirn übermittelt. Über Axonkollateralen erfolgt aber auch eine Erregung von motorischen Nervenzellen (Alpha- und Gamma-Motoneuronen der gleichen Ebene im Rückenmark. Eine Aktivierung der Muskulatur durch diese Motoneuronen äußert sich dann in einer Tonuserhöhung. Tonuserhöhungen in der sog. autochthonen Rückenmuskulatur sind häufig als Irritationspunkte tastbar.

Krankheitsbild/Klinik
Häufig führen Blockierungen zu Schmerzen sowie Funktions- und Bewegungsstörungen im Bereich des betroffenen Gelenkes.
Von praktischer Bedeutung sind insbesondere Blockierungen im Bereich der Wirbelsäule. Kommt es zu keiner zeitnahen spontanen Deblockierung, so entstehen häufig Schmerzen, die sich v.a. bei Bewegungen in die gesperrte Richtung verstärken. Der Tonus der segmental zugeordneten Muskulatur zeigt sich hierbei erhöht.
Eine Blockierung ist kein direkt mechanisches Problem, wie etwa bei einer Verrenkung (Luxation) eines Gelenkes, sondern vielmehr ein nozireaktives Reflexgeschehen.
Schmerzen aufgrund von Blockierungen sind dennoch mitunter sehr hartnäckig und können Folgeblockierungen in benachbarten oder weiter entfernten Gelenken hervorrufen. Auch vegetative Symptome wie z.B. Schwindel oder Tinnitus können begleitend aufteten.

Diagnostik
Nach Ausschuß anderer Schmerzursachen (wie z.B. kardiologische Ursachen bei Schmerzen im Bereich des Brustkorbes erfolgt die sorgfältige manualtherapeutische Diagnostik.
Häufig findet hierbei die sog. 3-Schritt-Diagnostik Anwendung. (Test der Beweglichkeit in dem Gelenk/Wirbelsäulensegment, Aufsuchen segmentaler Irritationspunkte (tastbare Tonusveränderungen in der Muskulatur), Erkennen der freien Richtung (tastbare Verminderung des Tonus am Irritationspunkt bei Bewegung in die freie Richtung).

Therapie
Das Lösen von Gelenkblockierungen hat eine lange Tradition. Mittels geeigneter Handgriffe erfolgt hierbei eine Mobilisation oder alternativ eine Manipulation mit schnellem Impuls. Manipulationen erfolgen grundsätzlich nur in die freie Richtung.
Manchmal kommt es hierbei zu einem knackenden Geräusch. Dieses entsteht als Folge eines Unterdruckphänomens im Gelenkspalt oder durch Lösen einer Knorpeladhäsion und ist nicht Vorraussetzung oder Ausdruck einer erfolgreichen Deblockierung.
Diese zeigt sich vielmehr bei erneuter 3-Schritt-Diagnostik in einer freien Beweglichkeit, dem Auflösen von Irritationspunkten und der raschen Beschwerdefreiheit des Patienten.

Vorbeugung
In der Vorbeugung zeigt ein gezieltes körperliches (Muskelaufbau-)Training häufig deutliche Effekte

Röntgenbilder - Diagnose